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Was immer Medea in der Tragödie des Euripides Schreckliches plant, welche Flüche und Verwünschungen sie auch ausstößt – in einem Punkt stimmt ihr der Chor der Korintherinnen unbeirrbar zu: Sie ist eine Betrogene und sie hat ein Recht auf Rache. Der Abenteurer Jason, der Medea sein Leben und seinen Ruhm verdankt, darf nicht – da mag er noch so viele Argumente für mehr soziale Sicherheit und die Zukunft der Kinder anführen – ins Bett einer jungen Prinzessin steigen und diese heiraten wollen. So einfach sehen das die Frauen. Und so einfach sieht das Medea, die aus weiter Ferne mit Jason gekommene Ausländerin. Im Racheakt – einem der grauenvollsten und folgenreichsten der Weltliteratur – wird sie wieder zur Zauberin, die sie war. Zum Entsetzen aller, die sie für assimiliert hielten.
In der erstmals auf dem Theater realisierten Neuübersetzung von Hubert Ortkemper erscheint Euripides’ Stück als ein schnörkelloses, psychologisch bis in feinste Details durchgearbeitetes Ehedrama. Für die Regisseurin Barbara Frey, die im Deutschen Theater »Minna von Barnhelm« und »Der Kirschgarten« inszeniert hat, ist es die erste Auseinandersetzung mit einem griechischen Drama. Der Antiken-Schwerpunkt im Deutschen Theater – nach Aischylos’ »Orestie« in der Regie von Michael Thalheimer und »Die Perser« in der Regie von Dimiter Gotscheff – schließt mit dem berühmtesten und doch selten gewagten Stück von Euripides.